Schulleiter und Choreograph Yuriy Volk und Claudia Corti.
1/1 Schulleiter und Choreograph Yuriy Volk und Claudia Corti.
26.09.2019 08:15

Unterhaltung mit Tiefgang

Das Kindertanztheater Claudia Corti zeigt in diesem Jahr das Stück «Blaue Zitronen», welches vom Klimawandel handelt. Obwohl dies, im Gegensatz zu vielen früheren Produktionen, kein klassisches Märchen ist, kommt das Stück wie gewohnt in alter Corti-Manier daher, verspricht die Initiantin.

Winterthur/Neftenbach Claudia Corti steht in der Ecke des kleinen Proberaumes ihrer Tanzschule in Neftenbach. Die Arme verschränkt, eine Hand nachdenklich ans Kinn gelegt. «Diese Ärmel sind zu lang», sagt sie mehr zu sich selbst, während sie mit kritischem Blick die in Pinguinkostümen umherwuselnden Kinder beobachtet. «Darum kümmere ich mich später.» Dann greift sie zu den schwarzen Mützen neben sich. «Pinguine, kommt mal alle her», ruft sie in die Menge. Die Kinder gehorchen und bekommen von Corti nacheinander eine Mütze übergezogen, schauen sich im Spiegel an und strahlen. Das Pinguin-Outfit ist komplett.

«Das ist eure Zukunft»

Statt Blumen, Prinzessinnen oder Erdbeeren tanzen in diesem Jahr Eisbären oder eben Pinguine, aber auch Fataluminia oder Plasticona auf der Bühne des Theaters Winterthur. Für die alljährliche Vorweihnachtsproduktion des Kindertanztheaters griff Corti in diesem Jahr in die Repertoire-Kiste und lässt das Stück «Blaue Zitronen» wieder aufleben. Dieses entwickelte sie vor 18 Jahren eigenhändig. Es handelt vom Klimawandel. Das gleichnamige Bilderbuch, welches sie zur selben Zeit illustriert und geschrieben hatte, wurde ebenfalls neu gedruckt und ist in einer Neuauflage in der Buchhandlung Obergass Bücherei im Handel. Inspiriert hatte sie damals ein kritischer Blick auf unsere Wegwerfgesellschaft. Und heute sei dieses Thema ja aktueller denn je, erklärt Corti, die sich inzwischen kurz von der Probe lösen konnte und nun in der Garderobe der Tanzschule sitzt. Obwohl dieses Thema Wellen schlagen könnte, erwähnt sie kurz am Rande, dass sie mit diesem Stück keinesfalls eine politische Botschaft in die Welt setzen möchte. Vielmehr will sie damit die Kinder und das Publikum sensibilisieren, dass es ihre Zukunft ist, die von alle dem betroffen sein wird.

Die Thematik werde wie gewohnt in alter Corti-Manier inszeniert. «Wir haben das Stück ein wenig verändert, haben beispielsweise den Plastikmüll dazugenommen, der damals, 2001, noch nicht in aller Munde war», so Corti. «Das Ganze wird wie immer verpackt in wunderschöne Choreographien von Yuryi Volk und Vaida Wauschkies.»

Die böse Rolle des Aluminium

Auch in diesem Jahr sind es an die 200 Kinder und Jugendliche ab vier Jahren, die bei den 13 Aufführungen im Theater Winterthur mitwirken. Und ebenfalls wie jedes Jahr, bereiten diese Vorstellungen Claudia Corti schlaflose Nächte. Seit fünf Wochen laufen die Proben mit allen Kindern, sie und ihr Team wären Tag und Nacht am Arbeiten. Bis zur Premiere sind es noch gut vier Wochen. «Ich wäre froh, wir hätten noch zwei Wochen mehr Zeit», meint Corti lachend. «Aber wir kriegen das schon hin.»

Auch Yuriy Volk, der seit drei Jahren Schulleiter ist, scheint im Schuss zu sein. Er setzt sich kurz neben Corti und erzählt von den Proben. Und davon, wie selig die Kinder seien, dass sie dieses Jahr auch mal eine etwas «bösere» Rolle spielen dürfen, wie etwa in der Aluminium-Szene. Die beiden lachen. Dass sie sich vor bald 10 Jahren kennengelernt haben und arbeitstechnisch so gut miteinander harmonieren, sei für beide ein Glücksfall. Für Volk sei die Arbeit bei Corti wie eine Ausbildung gewesen, meint er. Und Corti weiss, dass ihre Tanzschule bei Volk in guten Händen ist. Denn in zwei Jahren möchte sie dann auch die Theateraufführungen ganz in die Hände ihres Nachfolgers legen – von Null auf Hundert. Oder eben von Hundert auf Null.

Die Premiere von «Blaue Zitronen» findet am Sonntag, 27. Oktober um 15 Uhr im Theater Winterthur statt. Weitere Vorstellungen zwischen dem 16. November und 8. Dezember.

Marina Persano