Kabarettist Wolfgang Weigand gastiert in der Coalmine-Bar in Winterthur.
1/1 Kabarettist Wolfgang Weigand gastiert in der Coalmine-Bar in Winterthur.
16.05.2019 06:00

Weigand deckt die Wahrheit auf

Wolfgang Weigand hat keine Angst vor der Wahrheit. So lautet zumindest der Titel seines neusten Kabarett-Programms, das er am Freitag, 24. Mai in Winterthur präsentiert.

Winterthur Der Winterthurer Wolfgang Weigand ist Theologe, Erwachsenenbildner, Autor – und Kabarettist. In seinem dritten Solo-Programm macht er auch vor brisanten Themen keinen Halt. Im Interview spricht er darüber, wieso sich Ambivalenzen gut für ein Kabarettprogramm eigenen und warum es so wichtig ist, auch über ebendiese ernste Themen zu lachen.

Ihr drittes Solo-Programm heisst «Keine Angst vor der Wahrheit» - von welcher Wahrheit sprechen Sie da?

Seit 2000 Jahren erwarten wir die Antwort auf die berühmte Pilatus-Frage: Was ist Wahrheit? Und ich will sie endlich geben. Nein im Ernst: es geht um Wahrheiten und Fakenews in der Liebe und in der Politik. Haben Sie zum Beispiel gewusst, dass der Trump zu früh abgestillt wurde? So wie auch sein Freund, dieser Dicke da in Nordkorea? Oder dass manche Dates schon allein daran scheitern, dass man überhaupt hingeht? Ich finde, da hat mein Publikum seriöse Antworten verdient.

In ihrem Programm behandeln Sie unterschiedlichste Themen wie Urknall, Donald Trump, Liebe, Verkehr oder Alzheimer. Gibt es einen Zusammenhang?

Ich versuche, auf eine schräge Art die Ambivalenzen in der Welt und in unseren Köpfen zu beschreiben und zu besingen. Und diese Themen eignen sich da sehr gut dafür.  Sie haben übrigens noch Spermien, Rücktritte und die Taliban vergessen – das kommt auch alles vor.  Warum macht Talibo die Kinder froh? Weshalb ist Scheitern so sexy? Und warum klingt Heiliger Stuhl so eklig?

Das Thema Tod ist durch Ihren Beruf als Theologe in Ihrem Leben sehr präsent. Wird er auch wieder Thema sein, wie schon in Ihrem letzten Kabarettprogramm?

Nein, diesmal nicht. Es hat sich also kabarettistisch ausgestorben, obwohl ich noch immer mit diesem Programm unterwegs bin. Diesmal interessiere ich mich eher dafür, was vorher kommt, also für das Leben vor dem Tod. Eben für die Liebe, für on-off-Beziehungen, und für das, was die Promis so anstellen: Boris Becker, der Franziskus, der Infantino. Oder auch der Schneider-Ammann. Die wissen ja alle, wie es geht.

Anders als bei anderen ist die Themenauswahl Ihrer Stücke teils ziemlich düster. Wie kommt das beim Publikum an?

Verkehrsstau, Scheidungen, Bank- und Beichtgeheimnis sind zwar keine einfache Kost, aber jeder kennt sie (also nicht ganz, über 56 Prozent der Ehen halten ja). Aber wenn ich zum Beispiel über die Schwarmintelligenz bei den Termiten philosophiere, dann amüsieren sie die Menschen schon. Weil sie plötzlich Zusammenhänge mit dem eigenen Leben verstehen.

Warum ist es Ihrer Meinung nach wichtig, auch über solche Themen lachen zu können?

Schräge Zusammenhänge zwischen Dingen zu erkennen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, ist etwas Lustvolles, und lässt auch etwas Selbstironie und Gelassenheit entstehen. Es nimmt den Dingen ihre Schwere und ermuntert zum Querdenken. Das ist eine gute Therapie für die Seele. Vielleicht auch für das Hirn. Und ist billiger als eine Psychoanalyse.

Was erwartet die Zuschauer bei Ihrer Show allgemein?

Es ist ein textlich-musikalischer Mix durch die Welt der Politik, der Liebe und der Philosophie. Die Zuschauer dürfen ehrliche Antworten erwarten auf die entscheidenden Fragen im Leben, warum zum Beispiel Rothaarige eine höhere Narkose-Dosis erhalten. Und ich möchte etwas nachhaltig sein: Man soll sich lieben lassen, wenn man es am wenigsten verdient hat - weil man es dann am meisten braucht. Wenn sich ein Zuschauer noch am nächsten Morgen an diesen Satz erinnern kann, dann freue ich mich. Und der Abend hat sich schon gelohnt.

Wolfgang Weigand gastiert am Freitag, 24. Mai um 20 Uhr in der Coalmine-Bar in Winterthur. Türöffnung und Barbetrieb ab 19.15 Uhr. Infos & Reservation: www.schritte.ch

Marina Persano