Am Reportagentag der Kantonsschule Büelrain entstanden drei kurze Reportagen über Menschen auf Winterthurer Strassen. Foto: Michael Hotz
1/1 Am Reportagentag der Kantonsschule Büelrain entstanden drei kurze Reportagen über Menschen auf Winterthurer Strassen. Foto: Michael Hotz
31.10.2019 08:00

Wenn Gymi-Schüler zu Journalisten werden

Winterthur Am letzten Schultag vor den Herbstferien lernten die Schülerinnen und Schüler der dritten Klassen der Kantonsschule Büelrain die Arbeit von Journalisten genauer kennen. Im Rahmen des Reportagentags hielten lokale Medienvertretende Workshops ab. Im Kurs, den die «Winterthurer Zeitung » durchführte, mussten die sieben teilnehmenden Schüler in Gruppen eine kurze Reportage über eine Person auf Winterthurer Strassen verfassen.

Die «WiZe» kommt nun ihrem Versprechen nach, dass die beste Reportage in einer Ausgabe abgedruckt wird: Die Siegerinnen sind Dilay Bayir, Anica Martinovitch und Gina Vogt. In wenigen Worten gelang es den drei Schülerinnen, in ihrem Bericht über Serena Ramasio die Leidenschaft der Bülacherin für Rockmusik der Leserschaft näherzubringen und für diese erlebbar zu machen.

Michael Hotz

Nachfolgend werden nun die Reportage der drei Siegerinnen sowie die beiden anderen Berichte veröffentlicht:

Mit Queen durch die Strassen der Altstadt

«Bei Rockmusik gibt es etwas für jede Stimmung.» Das meint die 26-jährige Serena Ramasio, welche gerade in der Winterthurer Altstadt, mit Billy Idols «dancing with myself» in den Ohren, unterwegs ist. Ihren Geschmack trifft punktgenau die allbekannte Band Queen. Für sie ist es wichtig, dass die Musik, die sie hört, zu ihrer Stimmung passt. Ein sanftes Liebeslied wie «love of my life» oder ein lebhaft rockiges Stück wie «the hitman», beide von Queen, seien in diesem Zusammenhang sehr zu empfehlen.

Die Bülacherin mag fast alle Stilrichtungen, Schlager jedoch kann sie überhaupt nicht abhaben. Die Kombination aus der Dynamik eines Liedes und dem Text ist für sie entscheidend, ob es ein Lied in ihre Musikbibliothek auf Spotify schafft.

Leider konnte Serena Ramasio schon länger keine Konzerte mehr besuchen, da sie schlicht und einfach keine Zeit hatte. Doch Bryan Adams, ihr absoluter Lieblingskünstler, würde die 26-Jährige schrecklich gerne einmal live auf der Bühne sehen.

Etwa vier Stunden täglich verbringt sie ihre Freizeit mit ihren Lieblingssounds. «Ich höre meine Musik jede freie Minute.» Und das nicht nur auf dem Handy, denn die 26-Jährige greift auch häufiger zu CDs und ab und zu auch zu Schallplatten.

Dilay Bayir, Anica Martinovitch und Gina Vogt 

Der Job lehrte ihn Gelassenheit

Es ist Mittagszeit. Hektisch hasten die vom Regen durchnässten Menschen zum Bahnhofsgebäude. Alle scheinen in Eile zu sein, ausser Fekaj Bashkin. Der 53-Jährige steht neben dem dichten Gedränge und beobachtet ruhig das Geschehen. Diese Ruhe kommt nicht von allein. Er ist Lagerist und muss sich darum tagtäglich mit Stress herumschlagen. Doch das stört ihn keineswegs, denn er liebt es, seine logistische Arbeit zu strukturieren.

Vorerst ist jedoch Schluss damit. Denn Fekaj Bashkin kann nicht mehr bei der Arbeit erscheinen. Aufgrund einer Sehnenverletzung an seiner Schulter ist er arbeitsunfähig. Wie sich der Unfall ereignete, wollte er nicht genauer erläutern.

Auf die Frage, ob seine Arbeit gefährlich sei, antwortete er: «Ich denke nicht, denn jeder Job bringt doch seine Risiken mit sich.» Er muss jedoch gestehen, dass er in seinem ehemaligen Dienst als Taxi-Chauffeur weniger von Berufsunfällen gefährdet war.

Claude Büsser, Marigna Roth

Schweizer Würste vom Italiener

«Darf ich Ihnen die Wurst noch einpacken?», fragt Daniele Potenza mit einem breiten Lächeln im Gesicht, obwohl es in Strömen regnet. Der 32-jährige Süditaliener aus Lecce arbeitet für die Metzgerei Hotz an der Stadthausstrasse und verkauft frisch grillierte Würste. Neben dem Grillieren stellt er am Morgen seinen Stand auf und ist dafür verantwortlich, dass sein Arbeitsplatz sauber bleibt. Potenza legt viel Wert auf die Kundenfreundlichkeit. «Für die Kinder halbiere ich die Wurst.»

Beim 32-jährigen ist die Wurst nie vertrocknet, weil er sie immer wieder wendet. Zwischendurch schaut er, dass alles am richtigen Platz ist, die Alufolie vom Grill immer wieder ausgewechselt wird und die doch zu trockenen Würste weg vom Grill kommen. Nach einem erfolgreichen Tag baut der Italiener selbstständig seinen Stand ab. Der enthusiastische Leccese zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht, von so einer Person wird man gerne bedient.

Joël Büchi, Gianluca Kast