Bleibt bis mindestens Ende April und wohl noch einiges länger leer: Aufgrund des Coronavirus finden auf der Schützenwiese aktuell keine Fussballspiele statt. Foto: Michael Hotz
1/1 Bleibt bis mindestens Ende April und wohl noch einiges länger leer: Aufgrund des Coronavirus finden auf der Schützenwiese aktuell keine Fussballspiele statt. Foto: Michael Hotz
19.03.2020 07:45

Wie die Sportvereine mit den Corona-Auswirkungen leben

Das Coronavirus hat den Sport in die Knie gezwungen. Alle Meisterschaften ausser die im Fussball wurden abgebrochen. Wie sieht die aktuelle Lage bei den Winterthurer Vereinen genau aus? Ein Überblick.

Winterthur Sport, die wichtigste Nebensache der Welt, ist zurzeit eben genau das, eine Nebensache. Entsprechend haben die Ligabosse aller Sportarten reagiert und die laufenden Meisterschaften abgebrochen. Nur König Fussball drückt sich noch ein wenig. Dort ruht der Betrieb nach aktuellem Stand nur. Der Entscheid, wie es weitergehen soll, steht noch aus. Es geht schliesslich auch um noch mehr Geld als bei Eishockey, Handball, Unihockey und Co. Die Fussballklubs hoffen gerade dank der Verschiebung der EM auf 2021, dass der Ball in der Liga doch nochmals rollen kann.

FCW: Hoffnung stirbt zuletzt

Andreas Mösli, Geschäftsführer des FC Winterthur, unterstützt die Liga im Ziel, die Saison bis zum Sommer fertig spielen zu wollen: «Der Abbruch sollte das letzte Mittel sein.» Es gehe um die Zukunft des Schweizer Profifussballs. Sechs Heimspiele – darunter das ertragreiche Derby gegen die Grasshoppers aus Zürich – und den Cup-Viertelfinal gegen Bavois sind auf der Schützenwiese noch ausstehend. Gehen die Einnahmen daraus verloren, fehlen dem FCW 500'000 bis 600'000 Franken in der Kasse. Deshalb betont Mösli: «Wenn die Aussetzung länger dauert und wir Geisterspiele ansetzen müssen oder sogar die Meisterschaft und der Cup abgebrochen werden, bekommen wir ein substanzielles Problem, da wir natürlich laufend Kosten trotzdem decken müssen.» Deshalb fordert der FCW-Geschäftsführer, die Politik müsse sich Gedanken machen, wie die gesellschaftlich wichtigen Bereiche wie eben der Sport während und nach einer solchen Krise unterstützt werden könnten. «Was es jetzt braucht, ist Solidarität auf allen Ebenen.»

Pfadi: Mehr Fragen als Antworten

Weniger Forderungen, sondern Fragen stellt man sich aktuell bei Pfadi Winterthur. Aufgrund des Saisonabbruchs gehen dem finanziell angeschlagenen Handballverein rund 120'000 Franken verloren, wie Pfadi in einem Schreiben mitgeteilt hat. «Diese wären für die Liquidität unabdingbar.» Der Verein frage sich nun, wie die Saisonkartenbesitzer und die Sponsoren reagieren werden. Wie es bei Pfadi sportlich in der nächsten Saison weitergehen soll, ist noch unklar. «Diese Situation haben wir seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt. Wir werden uns irgendwann finden und eine ganze Menge Fragen beantworten können», schreibt der Verein in seiner Mitteilung.

EHCW: Abkehr von Philosophie

Die Planung für die kommende Spielzeit bereits angegangen ist der EHC Winterthur. Er hat den Vertrag mit Cheftrainer Misko Antisin nicht verlängert. Nicht weil er schlechte Arbeit geleistet habe, sondern weil der Verein eine neue Philosophie verfolge, wie Geschäftsführer Urban Leimbacher betont. Man wolle «mehr Arbeit, weniger Kunst.» Für diesen Kulturwechsel habe sich der Verein entschieden, weil er in den letzten vier Jahren in der Entwicklung keine Fortschritte gemacht habe. «Wir wollten mit offensivem Eishockey das Publikum begeistern, aber leider haben wir einfach zu viele Gegentore kassiert», bilanziert Leimbacher. Die Strategie ging nicht auf: Der sportliche Erfolg blieb aus, die Zuschauer kamen nicht in Scharen und aufgrund zweier Geisterheimspiele fehlen dem Klub Einnahmen. «Wir müssen deshalb unser Budget reduzieren. Kreative Spieler liegen da nicht mehr gross drin», sagt Leimbacher.

Das spiegelt sich auch in der Kaderzusammenstellung für nächste Saison wider. Von den sechs kürzlich verkündeten Neuzugängen fürs Fanionteam kommen zwei aus dem eigenen Nachwuchs und zwei weitere von den U20-Eliten der SCL Tigers, also junge, hungrige und auch eher günstige Spieler. Dafür wurden sieben Verträge verlängert, auch mit den beiden Ausländern Riley Brace und Zack Torquato. Mit Luca Homberger hat sich ein verdienter Spieler für den Rücktritt vom Profisport entschieden.

HCR: Probleme mit Liquidität

Wie alle anderen Vereine ist auch der HC Rychenberg von finanziellen Einbussen betroffen. Auf die Playoff-Einnahmen mit TV-Spielen wäre der Unihockeyverein laut Kommunikationschef Mario Kradolfer dringend angewiesen. «Wir müssen das Ausmass noch genau anschauen. In nächster Zeit könnten wir ein Liquiditätsproblembekommen. Und natürlich hat die aktuelle Lage einen Einfluss auf die Kaderplanung.» Er wolle aber nicht klagen, der Verein werde Lösungen finden, wie der Sommer überbrückt werden könne. Denn bis August würde kein neues Geld mehr in die Kasse fliessen.

Am Ende sagt HCR-Sprecher Kradolfer noch einen Satz, den wohl alle Winterthurer Vereine mitunterschreiben würden: «Am schlimmsten ist die Ungewissheit.»

Michael Hotz