Die in Seuzach aufgewachsene Romina Manser ist seit Kurzem Bionica, das weibliche Pendant von Michel Fornasiers Alter Ego Bionicman. Foto: Michael Hotz
1/2 Die in Seuzach aufgewachsene Romina Manser ist seit Kurzem Bionica, das weibliche Pendant von Michel Fornasiers Alter Ego Bionicman. Foto: Michael Hotz
Bionica wird auch Teil des dritten Comicbands von Bionicman sein, der nächstes Jahr erscheinen soll. Illustration: David Boller
2/2 Bionica wird auch Teil des dritten Comicbands von Bionicman sein, der nächstes Jahr erscheinen soll. Illustration: David Boller
24.10.2019 08:00

Winterthurer Superheldin bekämpft Mobbing

Romina Manser aus Winterthur schlüpft in die Rolle der Superheldin Bionica. Die in Seuzach aufgewachsene 28-Jährige, die ohne linke Hand zur Welt gekommen ist, unterstützt Michel Fornasier und dessen Alter Ego Bionicman beim «Enthindern».

Winterthur/Seuzach Das Universum der Superhelden ist um eine Heldin reicher: Bionica, das weibliche Pendant zum Bionicman alias Michel Fornasier. Der Träger einer bionischen Handprothese setzt sich im Superheldenkostüm für «Enthinderung» ein. Er macht sich gegen Mobbing stark und will Brücken schlagen zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung. Dafür besucht der gebürtige Freiburger nun in seiner neuen Berufung Schulen und hält Vorträge. Kinder machten ihn dabei in Gesprächen darauf aufmerksam, dass ihm doch eine Kollegin fehle. «Besonders Mädchen wünschten sich eine Superheldin an der Seite von Bionicman», so Fornasier.

Erster Auftritt im Windwerk

Dank Romina Manser aus Winterthur erfüllt sich dieser Wunsch. Die 28-jährige Immobilienbewirtschafterin mimt Bionica. Letzte Woche hatte sie in der Winterthurer Indoor-Skydiving-Anlage Windwerk ihren ersten Auftritt, noch ohne Kostüm. «Es ist alles ziemlich schnell gegangen», erzählt Manser. Im letzten Frühling sprach sie ein Bekannter von Fornasier in einer Coop-Filiale in Wollishofen spontan an, ob sie sich vorstellen könne, den Part von Bionica zu übernehmen. Sie konnte. Im Sommer folgten dann erste Treffen mit Fornasier.

Was genau auf sie zukommen werde, wisse sie noch nicht, sagt Manser. «Aber ich freue mich auf die Herausforderung.» Mit ihrer Beeinträchtigung – sie kam ohne linke Hand auf die Welt – habe sie kein Problem und gehe offen damit um. Etwas, das sie sich zuhause im Seuzemer Elternhaus angeeignet habe. «Ich bin behütet, aber nicht zu behütet aufgewachsen», führt Manser aus. Die Eltern hätten ihr nie gesagt, dass sie etwas nicht könne. «Viele Sachen habe ich mir selber beigebracht, weil ich sie nicht bei Mami und Papi oder meiner älteren Schwester abschauen konnte.» Deshalb fühle sie sich im Alltag auch nicht eingeschränkt. Diese Lebenseinstellung, wolle sie nun als Bionica den Mädchen und auch den Buben weitergeben.

Fragen statt starren

Es gab im Leben von der neuen Superheldin aber auch schwierigere Phasen. «Gerade in der Pubertät habe ich mich schon hie und da gefragt, warum gerade ich ohne linke Hand leben müsse.» Mittlerweile sei sie aber eine gestandene Person, die mit ihrer Beeinträchtigung selbstsicher umgehen könne. Etwa dann, wenn sie in der Öffentlichkeit angestarrt werde, was durchaus vorkomme, wie die 28-Jährige betont. «Oft gehe ich auf solche Menschen zu und suche das Gespräch.» Für neugierige Personen hat sie deshalb einen Tipp: «Fragt einfach, anstatt zu starren.»

Dass ihr eine Hand fehlt, versteckt Manser nicht. Zwar besitze sie seit der 5. Klasse eine kosmetische Prothese, aber sie trage diese eigentlich nie. «Mit ihr kann ich nichts machen, sie stört mich mehr.»

Bionica ist auch eine Comicfigur

In der Fiktion trägt Bionica dann doch eine bionische Prothese. Denn sie soll Teil der Comic-Reihe von Bionicman werden. Erst kürzlich ist der zweite Band erschienen, ein dritter Comic mit Bionica ist für 2020 geplant. Dieses kreiert wiederum der Schweizer Zeichner David Boller, der schon für grosse US-Comicverlage wie Marvel oder DC gezeichnet hat. Erste Skizzen von Bionica bestehen bereits. «Sie soll Schritt für Schritt in die neuen Comic-Abenteuer miteinbezogen werden und so zusammen mit Bionicman Vorbild für viele Kinder sein», sagt Erfinder Fornasier dazu – und fügt halb scherzhaft an: «Bekanntlich ist man gemeinsam immer stärker. Dies ist bei Dr. Mobbings fiesen Plänen auch dringend nötig.»

Michael Hotz