Vergeblich zu einer Wohnungsbesichtigung zu reisen, ist für Bewerbende sehr ärgerlich. Symbolbild z.V.g
1/1 Vergeblich zu einer Wohnungsbesichtigung zu reisen, ist für Bewerbende sehr ärgerlich. Symbolbild z.V.g
09.01.2020 07:15

Winterthurer Verwalter lässt Mieter im Regen stehen

Mehrmals tauchten Interessenten vergeblich bei Wohnungsbesichtigungen der Winterthurer Verwaltung Wincasa auf, bei denen kein Verwalter oder Mieter anwesend waren. Betroffene sprechen zudem von Schikane bei Verträgen und Kündigungen. Der Mieterverband kritisiert das Vorgehen.

Winterthur Es war letzten Freitag bereits das zweite Mal, dass sich P. D.* vergeblich eine Wohnung in Bülach anschauen wollte. An der angekündigten Besichtigung für die auf Immobilienportalen ausgeschriebene Wohnung fand sich weder eine Kontaktperson der Verwaltung Wincasa, noch ein aktueller Mieter ein. «Als ich mich telefonisch erkundigte, wusste man erst gar nichts von einer Besichtigung in dieser Liegenschaft », erzählt D. Und das, obwohl er sich vor dem Termin telefonisch rückbestätigen liess, dass dieser auch stattfindet. Für die gleiche Liegenschaft war bereits Anfang Dezember ein Objekt ausgeschrieben, das der Verkaufsberater besichtigen wollte.

«Eine Woche lang wartete ich damals auf eine Bestätigung, bis man mir kurz vor dem Termin mitteilte, dass dieser nicht stattfindet. Die Wincasa begründete es mit einem technischen Fehler, wegen dem das Inserat trotz bereits vermietetem Objekt noch online gewesen sei.» Beim zweiten Mal nützte aber auch die vorherige Terminabklärung nichts und D. reiste in aller Früh vergeblich zur Besichtigung, wo er und eine weitere Interessentin vergeblich warteten.

Vertrag nie ausgestellt

Dasselbe passierte einst auch M. S. aus Winterthur. «Eine Kollegin stand bei einer Besichtigung bereits einmal vor verschlossenen Türen. Dann widerfuhr mir dasselbe. Die Wincasa beschuldigte mich sogar, nicht erschienen zu sein, während ihr Verwalter vor Ort gewartet habe.» Dennoch mietete sich der Winterthurer schliesslich in einer Wincasa-Wohnung ein. Doch die Negativ-Spirale ging auch während des Mietverhältnisses weiter, sagt S., dem eine Betreibung der Wincasa ins Haus geflattert sei, weil seine Untermieterin offene Rechnungen nicht mehr beglichen habe. «Es handelte sich um Kosten meiner Untermieterin, die nichts mit unserem Mietverhältnis zu tun hatten. Obwohl die Betreibung auf ihren Namen lief, probierte die Wincasa, das Geld bei mir einzutreiben.» Erst nach der Drohung mit rechtlichen Schritten hätte die Verwaltung schliesslich doch noch eingelenkt, erzählt S.

Aber auch andere Winterthurer Mieter lassen am hiesigen Immobiliendienstleister kein gutes Haar. Jürg Blatter etwa erhielt bereits eine telefonische Zusage für eine Wohnung der Wincasa. Zwar habe er aufgrund der für ihn etwas zu hohen Miete erst gezweifelt, dann aber telefonisch zugesagt und sich nach dem Vertrag erkundigt. «Erst teilte man uns mit, es habe noch weitere Interessenten gegeben. Etwas später hiess es dann, der Eigentümer habe sich noch nicht entschieden und bei der nächsten Anfrage war dieser offenbar nicht mehr erreichbar», so Blatter. Bis heute habe er nie wieder etwas von Wincasa gehört.

«Verhalten höchst unprofessionell»

Walter Angst vom Zürcher Mieterverband kann die Kritik der Betroffenen verstehen. Zum Betreibungsfall mit der Untermieterin von S. sagt er: «Der Hauptmieter haftet für den ganzen Mietzins. Er muss das Geld selbst beim Untermieter eintreiben und einen Verlust tragen, wenn dieser nicht zahlungsfähig ist.» Dass eine Verwaltung unbezahlte Posten des Untermieters, die nichts mit dem Mietverhältnis zu tun hätten, beim Hauptmieter einfordert, sei hingegen unzulässig. Die Handhabung mit dem ausbleibenden Vertrag trotz mündlicher Zusage kritisiert Angst hingegen scharf. «Das Mindeste, was man als wohnungssuchender Mieter erwarten kann, ist eine umgehende Reaktion der Verwaltung, wenn der Vermieter den Vertrag nicht unterzeichnen will.» Schlussendlich sei ein Mietvertrag erst abgeschlossen, wenn die Unterschrift des Vermieters vorliegt. Deshalb empfiehlt Angst, seine alte Wohnung erst zu kündigen, wenn der Vertrag mit Unterschrift des Vermieters im Briefkasten liegt.

Dass Wohnungssuchende vergebens an Besichtigungen auftauchen, ist für Angst ebenfalls unverständlich. Es komme vor, dass es bei Besichtigungen nicht immer rund läuft. «Wenn man jedoch eine Bestätigung erhält und die Besichtigung gar nicht stattfindet, deutet auf ein höchst unprofessionelles Vorgehen der Verwaltung hin.» Leider seien solche Vorkommnisse heute nicht unüblich, so Angst. «Es zeigt, dass sich Anbieter von Wohnungen heute um einfachste Anstandsregeln foutieren» In einem solchen Fall bleibe nichts anderes übrig, als bei der Geschäftsleitung um eine Stellungsnahme zu bitten. Manchmal könne man auf diesem Weg auch eine Entschädigung einfordern.

Besichtigung in der Verantwortung der aktuellen Mieter

Obwohl D. genau dies getan hat, will ihn die Wincasa nicht entschädigen. In einem Schreiben, das der «Winterthurer Zeitung» vorliegt, gesteht die zuständige Bewirtschafterin zwar «Fehlinformationen» und ein «unglückliches Missverständnis » bei der Publikation der betroffenen Liegenschaft ein. Dennoch liege es in der Verantwortung der Mieter, die Besichtigungen durchzuführen.

Auch auf Anfrage schreibt die Wincasa-Medienstelle, dass solche lediglich mit den Mietern und Interessenten koordiniert werden. «Wenn Termine nicht wahrgenommen werden, ist dies bedauerlich. Wir können die Mieter dann ermahnen.» Nur bei leerstehenden Objekten sei man selbst vor Ort. Auf die anderen einzelnen Fälle möchte die Wincasa nicht eingehen. Sie verweist lediglich auf die Pflicht des Hauptmieters, bei Zahlungsrückstand des Untermieters dafür aufzukommen und dass Mietverträge erst nach beidseitiger Unterzeichnung zustande kämen.

*Namen der Redaktion bekannt

duf